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Pre-Money und Post-Money: Bewertungslogik beim Startup-Investment

Pre-Money und Post-Money bestimmen, welchen Anteil ein Investor nach einer Finanzierungsrunde hält — und in welchem Umfang Gründer verwässert werden. Beide Bewertungskonzepte sind rechnerisch eng verknüpft, beschreiben aber unterschiedliche Zeitpunkte mit unterschiedlichen rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen.

Wer zum ersten Mal eine Finanzierungsrunde vorbereitet, stößt rasch auf zwei Begriffe, die in jedem Term Sheet auftauchen und deren UnterscPre-Money und Post-Money: Bewertungslogik beim Startup-Investment

Wer zum ersten Mal eine Finanzierungsrunde vorbereitet, stößt rasch auf zwei Begriffe, die in jedem Term Sheet auftauchen und deren Unterschied über Eigentumsanteile, Verwässerung und die spätere Verteilung von Erlösen entscheidet: Pre-Money-Bewertung und Post-Money-Bewertung. Beide Konzepte sind rechnerisch eng verknüpft, beschreiben aber unterschiedliche Zeitpunkte — und damit unterschiedliche wirtschaftliche Realitäten.

Was Pre-Money-Bewertung bedeutet

Die Pre-Money-Bewertung (Pre-Money Valuation) ist der Unternehmenswert, den Investor und Gründer unmittelbar vor dem Eingang des Investments vereinbaren. Sie spiegelt die Einschätzung wider, was das Unternehmen in seinem aktuellen Zustand wert ist — mit dem bestehenden Team, dem vorhandenen Produkt und den bislang erzielten Kennzahlen, aber ohne das neue Kapital.

Der Begriff ist insofern technisch zu verstehen: Es handelt sich nicht notwendigerweise um einen Verkehrswert im rechtlichen Sinne, sondern um einen verhandelten Ausgangspunkt, auf dessen Basis sich die Beteiligungsquoten berechnen. In frühen Phasen — Pre-Seed und Seed — entbehrt diese Zahl regelmäßig einer belastbaren Substanzgrundlage; sie beruht auf Vergleichstransaktionen, Wachstumsprojektionen und Verhandlungsposition.

Post-Money-Bewertung: die Bewertung nach dem Investment

Die Post-Money-Bewertung ergibt sich durch Addition des investierten Betrags zur Pre-Money-Bewertung:

Post-Money = Pre-Money + Investitionsbetrag

Investiert ein Business Angel bei einer Pre-Money-Bewertung von 2 Mio. Euro einen Betrag von 500.000 Euro, ergibt sich eine Post-Money-Bewertung von 2,5 Mio. Euro. Die Post-Money-Bewertung beschreibt den Unternehmenswert unmittelbar nach dem Investment — mit dem frischen Kapital, aber noch ohne dessen operative Wirkung.

Dieser Wert ist für die Berechnung des Investorenanteils maßgeblich: Der Investor hält denjenigen prozentualen Anteil, der dem Verhältnis seines Investments zur Post-Money-Bewertung entspricht.

Investorenanteil = Investitionsbetrag ÷ Post-Money-Bewertung

Im Beispiel: 500.000 ÷ 2.500.000 = 20 %. Die Gründer halten entsprechend 80 % — vorausgesetzt, es existieren keine weiteren Anteilsklassen oder Optionsprogramme.

Warum die Unterscheidung praktisch bedeutsam ist

Die Unterscheidung zwischen Pre-Money und Post-Money ist nicht bloß ein Rechenproblem. Sie ist Verhandlungsgegenstand — und Quelle häufiger Missverständnisse.

Gründer, die von einer „Bewertung von 2,5 Millionen Euro“ sprechen, meinen damit manchmal die Pre-Money-, manchmal die Post-Money-Bewertung. Das ist kein semantisches Detail: Bei identischem Investitionsbetrag ergibt sich je nach Lesart ein erheblich anderer Investorenanteil.

Beispiel: Ein Investor investiert 500.000 Euro.

Wird die genannte Bewertung von 2,5 Mio. Euro als Pre-Money verstanden, ergibt sich eine Post-Money-Bewertung von 3 Mio. Euro — und ein Investorenanteil von 16,7 %.

Wird dieselbe Zahl als Post-Money verstanden, liegt die Pre-Money-Bewertung bei 2 Mio. Euro — und der Investor hält 20 %.

Dieser Unterschied von rund 3,3 Prozentpunkten wirkt im Rahmen einer Frühphasenrunde marginal, summiert sich über mehrere Runden und beim Exit jedoch zu einer substanziellen Differenz.

Cap Table und Verwässerung

Pre-Money und Post-Money sind die Ausgangspunkte jeder Cap-Table-Berechnung. Sobald neue Anteile ausgegeben werden, verändert sich die Eigentumsstruktur der Gründer: Ihr prozentualer Anteil sinkt — sie werden verwässert (Dilution).

Ob und in welchem Umfang bestehende Gesellschafter an der neuen Runde teilnehmen (Pro-rata-Recht), ob Optionspools vor oder nach der Bewertung eingerechnet werden, und ob Wandeldarlehen oder SAFEs bereits in die Pre-Money-Bewertung einfließen — all das beeinflusst die Verwässerungsrechnung erheblich. Besonders der Zeitpunkt der Optionspool-Einberechnung (pre-money option pool shuffle) ist ein etablierter Verhandlungspunkt: Wird der Pool vor der Bewertung in die Cap Table eingerechnet, trägt die Verwässerung wirtschaftlich die Gründerseite; wird er nach der Bewertung eingerechnet, verteilt sie sich auf alle Anteilseigner.

Vollständige Klarheit im Term Sheet

Term Sheets professioneller Investoren führen Pre-Money- und Post-Money-Bewertung regelmäßig explizit aus. Fehlt diese Klarstellung, sollte sie vor Unterzeichnung eingefordert werden. Gleiches gilt für die Frage, ob und in welcher Höhe ein Optionspool in der genannten Bewertung bereits enthalten ist.

Die Begriffe Pre-Money und Post-Money sind rechnerisch eindeutig — ihre Auslegung in einem konkreten Term Sheet jedoch nicht immer. Präzision in der Terminologie ist eine der einfachsten und wirkungsvollsten Maßnahmen, um spätere Streitigkeiten über Anteilsquoten zu vermeiden.

Zwei Zahlen, eine Investitionsrunde, eine Beteiligungsstruktur: Pre-Money- und Post-Money-Bewertung bilden das arithmetische Fundament jeder Startup-Finanzierung. Wer diese Logik beherrscht, verhandelt auf Augenhöhe.

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