Fachwissen

Run-Off von Versicherungsbeständen

Rechtliche Strukturen, aufsichtsrechtliche Anforderungen und wirtschaftliche Gestaltung

Der Run-Off von Versicherungsbeständen ist ein Instrument der strategischen Neuausrichtung von Versicherungsunternehmen und Versicherungsgruppen. Die Einstellung des Neugeschäfts, die organisatorische Trennung geschlossener Bestände und deren Übertragung auf spezialisierte Risikoträger eröffnen unterschiedliche Möglichkeiten, Kapital, Risiken und Geschäftsmodelle neu zu strukturieren.

Die rechtliche Umsetzung reicht von der internen Fortführung eines geschlossenen Bestands über konzerninterne Umwandlungen und Bestandsübertragungen bis zur Veräußerung an externe Run-Off-Plattformen. Auch Rückversicherungslösungen kommen in Betracht. Jede Variante stellt eigene Anforderungen an die aufsichtsrechtliche Genehmigung, die gesellschaftsrechtliche Gestaltung, die Kapitalausstattung und den Schutz der Versicherten.

Hinzu treten Fragen der Geschäftsorganisation, der langfristigen Bestandsverwaltung und der steuerlichen Strukturierung. Gerade bei Lebensversicherungsbeständen sind darüber hinaus die Überschussbeteiligung, die Rückstellung für Beitragsrückerstattung und das Kapitalmanagement von besonderer Bedeutung.

Die nachfolgenden Fachbeiträge untersuchen diese rechtlichen und wirtschaftlichen Zusammenhänge systematisch. Sie richten sich insbesondere an Vorstände, Aufsichtsräte, Rechtsabteilungen und Verantwortliche für Strukturmaßnahmen in Versicherungsunternehmen und Versicherungsgruppen.

Grundlagen und Run-Off-Strategien

Run-Off bezeichnet die planmäßige Fortführung eines Versicherungsbestands ohne Neugeschäft. Je nach strategischer Zielsetzung kann der Bestand beim bisherigen Versicherer verbleiben, innerhalb einer Versicherungsgruppe neu geordnet oder auf einen externen Risikoträger übertragen werden. Die Beiträge erläutern die rechtlichen Grundlagen, die unterschiedlichen Strukturmodelle und die aufsichtsrechtliche Einordnung des Run-Off als Geschäftsstrategie.

Run-Off als Geschäftsstrategie

Run-Off verlangt mehr als die Einstellung des Neugeschäfts. Entscheidend sind eine belastbare Governance, ein aktualisiertes Risikomanagement, eine tragfähige Bestandsverwaltung und die dauerhafte Wahrung…

Bestandsübertragung und Genehmigungsverfahren

Die Bestandsübertragung nach § 13 VAG ermöglicht die Übertragung bestehender Versicherungsverhältnisse auf einen anderen Versicherer. Das aufsichtsrechtliche Genehmigungsverfahren dient insbesondere dem Schutz der Versicherten und der Sicherung ihrer Ansprüche. Die Beiträge behandeln Verfahrensanforderungen, Prüfungsmaßstäbe, die Mitwirkung des unabhängigen Treuhänders und die rechtlichen Grenzen der Übertragung.

Konzerninterner Run-Off und Strukturmaßnahmen

Beim konzerninternen Run-Off werden geschlossene Versicherungsbestände innerhalb einer Versicherungsgruppe rechtlich, organisatorisch oder wirtschaftlich vom Neugeschäft getrennt. Dafür kommen unterschiedliche gesellschafts- und aufsichtsrechtliche Instrumente in Betracht. Die Beiträge untersuchen Bestandsübertragungen, Spaltungen, Konzernverträge, Beteiligungsstrukturen und die Anforderungen der Solvency-II-Gruppenaufsicht.

Konzernrechtliche Architektur beim konzerninternen Run-Off

Beherrschungsvertrag, Gewinnabführungsvertrag und faktischer Konzern eröffnen unterschiedliche Wege der konzerninternen Bestandstrennung. Der Beitrag ordnet Genehmigungsvorbehalt, Weisungsrecht, Verlustübernahme und Nachteilsausgleich rechtssystematisch ein.

Rückversicherung und alternative Risikotransfers

Die wirtschaftlichen Risiken eines geschlossenen Versicherungsbestands können unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne Übertragung der Versicherungsverträge neu zugeordnet werden. Rückversicherungslösungen ermöglichen unterschiedliche Formen des Risiko- und Kapitaltransfers. Die Beiträge untersuchen insbesondere Asset-Intensive-Reinsurance, Loss-Portfolio-Transfer und weitere rückversicherungsbasierte Strukturmodelle sowie ihre aufsichtsrechtlichen Grenzen.

Geschäftsorganisation und operative Umsetzung

Run-Off-Transaktionen verändern häufig die Organisation der Bestandsverwaltung, die Zuordnung von Mitarbeitern und die eingesetzten IT-Systeme. Zugleich bleiben die Anforderungen an eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation bestehen. Die Beiträge behandeln Funktionsausgliederungen, Dienstleistungsmodelle, Personal- und Vertriebsfragen sowie die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an IT-Migration und digitale Betriebsprozesse.